Zusammenbruch der Kommunikation – oder: darf Realsatire parodiert werden?
Ich habe lange überlegt, ob die Realsatire, dass die verantwortlichen Macher eines Kommunikationsprojektes nicht miteinander kommunizieren, parodiert werden kann.
Verschiedene Formen fielen mir ein, z.B. als Zaubermärchen oder beißende Polemik, letztlich entschied ich mich für eine schlichte, “emotionsfreie” Aufzählung.
Vor der Veröffentlichung bat ich einige Ratgeber um ihre Meinung. Sie glaubten, dass der Text für Außenstehende unverständlich bliebe und die gemeinten nicht erreichen könne. Also sah ich von einer Veröffentlichung ab.
Durch einen technischen Fehler war der Text unbemerkt von mir eine halbe Stunde online und ich bekam Rückmeldungen, die mich veranlassten den Beitrag nun doch öffentlich zu lassen.
Hier also noch einmal:
Wie die Verwaltung mal darüber nachdachte, ob, wie, mit wem und worüber sie nachdenken soll...
Positives Denken macht attraktiv, vielleicht ließ sich deshalb die Verwaltung von mir hinreißen, gemeinsam mit weiteren usern über die Zukunft der GG nachzudenken.
Doch zuerst musste eine “Findungskommission” ran, um die geeigneten Denker zu finden.
Wunschkandidat der Verwaltung wurde ein user, der sich in seinen 340 geschriebenen Beiträgen hauptsächlich mit Themen wie „Wo ist die Dose“ (einem Schnitzeljagdfred) sowie „Was hört ihr gerade“ (einer Aufzählung von Musiktiteln) und der selbstbewussten Selbstpromotion seiner Filme beschäftigte.
Seine kühnen Thesen zur Heilung und Weiterentwicklung der GG lauteten: Heinz redet ständig Aktionen und Projekte kaputt, wirft mit Dreck, fängt mit Gruppen und Einzelpersonen Krieg an, folglich muss Heinz sich zurückziehen und mal die Richtigen machen lassen.
Arnos völlig bedeutungslose Wolkenreise zum Regenbogen
Der nächste Wunschkandidat war ein user, dem es schon zuwider war, bei einer Nachbetrachtung der gemeinsamen Redaktionsarbeit an dem GG Buch teilzunehmen.
Während so also Kandidaten ventiliert wurden, übermannte einen Verwalter der Wunsch, nicht mitdenken zu müssen. Er erfüllte sich seinen Wunsch und verabschiedete sich aus der Denk-Mal-Mit Gruppe.
Ein anderer entwarf derweil kühn das Konzept eines Regelwerkes, wie und wie lange man worüber jeweils denken solle und zu welchen festgelegten Zeiten die Denkprozesse zu beenden seien um kaskadengleich in die nächste Gedankenschale zu tauchen, nicht zu lange, nicht zu tief. Aber immer fein geordnet und justiert mit den Stellschrauben eines Zeitregelwerkes.
Das war ein munteres Hin und Her, spannender können Findungskommissionen zur Findung einer Kommission kaum sein.
Spontan und ungeplant, möglicherweise ungeduldig geworden, beendete ein weiteres Verwaltungsmitglied kurzerhand die Sucherei der „Findungskommison“ und bestimmte im Alleingang, wer zum Denken gebeten werden soll und wer nicht. Er zwangsverpflichtete den Denk-unwilligen Verwalter wieder und seit dem 20.01.10 plätschert und dümpelt es im Think Tank vor sich hin.
Damit die Wogen nicht zu hoch gehen, achten die Verwalter peinlich darauf, meine Gedanken zu ignorieren, meine Fragen nicht zu beantworten, dafür aber sinnentstellende Zusammenfassungen zu verbreiten.
Mein Wunsch innerhalb des Verwaltungsteams die sonderbaren Auswahlkriterien zu besprechen und das lustgeprägte rein-und-raus-ich-mach-mit ich-mach-nicht-mit ich-mache-doch- mit Spiel zu thematisieren, wurde abgelehnt.
So nahm ich also meinen Hut, schaue aus der Ferne all die glücklichen Gesichter der endlich von “Heinz” Befreiten.
Ich erfreue mich an den kreativen Begründungen der Verwaltung für ihre Saubermach- und Löschaktionen und anerkenne diesen neuen Spirit und den Qualtitäts-Entwicklungs-Schub bei Inhalt, Form und Thema.
Meine überflüssigen, unerwünschten, nicht beachteten Gedanken, Ideen, Anmerkungen, werde ich also ab und zu hier veröffentlichen.
Die Birke haben die beste aller Ladies und ich mal von der Halde an der Trabrennbahn im Winter als 25 cm Jungpflanze gezupft – irgendwie will sie keine richtige große Birke werden, sie bleibt aber trotzdem.
Oben drüber das Einfamilienhaus für ein Meisenpaar. Die 15 köpfige Gang starb leider letztes Jahr (wahrscheinlich) an einer Virusinfektion und seit vielen Jahren gehen die Jungen meistens vorm flügge werden ein.
Futtermangel ist wohl der Grund, warum kaum noch Meisen hochkommen, zufüttern bringt wenig.
Dies Jahr werde ich nur Knöterich, Stauden, Sonnenblumen und Zaunwinden kultivieren.
Ein Schmetterlingsjahr ist geplant – deshalb die Stauden. Im Kulturhauptstadtjahr wollte ich eigentlich dieUrbanausen-Banner an das Gitter anbringen.
Dass sie nun in der Hauptstraße hängen, ist allemal optimaler und so habe ich Platz, um Zaunwinden schlingen zu lassen und so dem Auge und der Seele etwas zu geben und dem Kleinklima und den Schmetterlingen was Gutes zu tun.
Ich bin jedenfalls gespannt, ob ich den Zaun zugewachsen bekomme mit den blühenden Zaunwinden, nen paar Sonnenblumen Farbtupfer geben werden und dieses Jahr vielleicht doch wieder mal eine Brut flügge wird.
Skylla: Was wollt Ihr denn schon wieder alle hier? Warum könnt Ihr mich nicht in Ruhe meditieren lassen? Müßt Ihr mich mit euren kleinen, nichtsnutzigen Fragen belästigen? Gibt es Krieg? Habe ich Krebs? Sind die Renten sicher? Hat Karoline Reiber doch ein uneheliches Kind von Max Schautzer? Ihr Geschmeiß, euer Anblick widert mich einfach nur an. Ich spüre es am Jucken meiner Haut, am Pochen meiner Hämorrhoiden, Ihr habt euch wieder falsch ernährt! Ohhh ihr Verfluchten, ihr verlorenen Kinder Gottes! Habe ich euch nicht bei der letzten Konsultation gesagt, daß Ihr euch falsch ernährt!? Eure Müsliriegel, Sesambällchen, Sojarouladen und diese ekelhaften Rohkostsalate ohne Cocktail-Dressing machen euren Odem schwarz wie die Pest. Ich warne euch ein letztes Mal: Lasset ab von diesen Speisen!
Charybdis: Oh Herr, vergib mir! Oh, sei mir armem Sünder gnädig!
Skylla: Eh, Franz, was ist los? Warum hast Du jetzt gerade nach sieben Jahren Dein Schweigegelübde gebrochen?
Charybdis: Oh, Hyronimus, der Du auf der Stange sitzest, vernimm meine Schuld! Meine 250 Mark teuren Krokodillederslipper von Fiorucci sind eine Fälschung. Man hat mich betrogen. Auf der Party hat man über mich gelacht. Wehe! Wehe! Diese Welt ist zum Untergang verurteilt. Nichts ist mehr sicher, nur Lug und Betrug. Woran kann man sich noch halten?
Skylla: Halt mal eben die Stange, ich muß mal.
Charybdis: Diese Welt ist eine Chimäre, alles fließt dahin. Das macht mich fertig.
Skylla: Fertig, kannst loslassen!
Charybdis: Ich kann nicht länger verweilen, ich muß rastlos umherirren, ich muß die wüstesten Wüsten, die ödesten Einöden, die weite Endlosigkeit endloser weiten und die Glasüberdachten Boutikenpassagen neonbeleuchteter Einkaufszentren durchknien um Abbitte zu tun.
Skylla: Wo willst Du überall hin?
Charybdis: Ich kann nicht länger verweilen, ich muß rastlos umherirren, ich muß die wüstesten Wüsten, die ödesten Einöden, die weite Endlosigkeit endloser weiten und die Glasüberdachten Boutikenpassagen neonbeleuchteter Einkaufszentren durchknien um Abbitte zu tun.
Skylla: Hast Du Dir da nicht ziemlich viel vorgenommen? Und alles auf Knien? Junge, Junge…
Charybdis: Ja, find ich auch, steht aber so bei mir im Text, jetzt geh ich raus und knie mich rein.
Skylla: Da seht Ihr es! Das ist Euer Schicksal, wenn ihr nicht abkehrt vom Weg der Verderbnis. Habe ich euch nicht gesagt bei der letzten Konsultation: Lasset ab vom Stammtischgerede Über Umsturz und Revolte! Und bin ich nicht in meiner Jugend ebenfalls mit dem Kopf gegen die Wand gerannt, und habe auch ich mich nicht mit der Wand wieder versöhnt, weil die Wand das Absolute, das Gesetzte, das an und für sich Seiende, das, weil es ist, auch vernünftig ist, weshalb auch derjenige unvernünftig ist, welcher einen allerhöchst vernünftigen, unwidersprechbar seienden festgesetzten Absolutismus nicht ertragen will. Blickt in euch! Der Schlüssel zum Paradies liegt nur in Euch selbst. Stattdessen aber prockelt ihr mir euren säuerlichen abgestandenen Theorien in der Weltgeschichte herum, ohne jemals das Schloß zum Schlüssel zu finden, das Schloß, das die Tür aufschließt zum Heil, zur Erleuchtung und zur gesunden Ernährung, um das noch mal kurz zu erwähnen. Das Ende ist nahe, der Untergang besiegelt. Und so frage ich euch: Warum geht ihr noch arbeiten, verrichtet all die nutzlosen Tätigkeiten, fertigt all die überflüssigen Dinge an? Ich weiß warum! Oh, ihr Heuchler und Verderbten! Nur damit ihr zweimal am Tag mit einem viertelvollen Auto zur Arbeitstelle und wieder zurückfahren könnt, weil Ihr verliebt seid in den Rausch des Staus und die Einsamkeit vereinzelter Überholvorgänge. Lasset ab davon! Fahrt nicht mehr zur Arbeit! Ihr trinkt auch falsch!
Charybdis: Gnade, Gnade! Höllenbrut, Mächte der Finsternis, laßt ab von mir!
Skylla: Oh, Georg, der Du in der Tonne saßest. Warum hast Du sie verlassen?
Charybdis: Ich bin verlassen, nicht meine Tonne! Studiert habe ich in ihr die in Krokodilleder eingebundenen Werke der Klassiker des Marxismus-Leninismus-Stalinismus-Maoismus-Trotzkismus- ach, den ja nicht, und alles war eine Fälschung! Vertane Zeit, geraubtes Leben, verdorbene Jugend, verlorenes Alter, zerplatzte Hoffnungen!
Skylla: Dann geht es Dir nicht besser als dem schweigenden Franz. Auch seine Slipper waren eine Fälschung.
Charybdis: Oh, ist denn alles Lug und Betrug, nichts Echtes mehr? Nur Fälschungen. Nicht die Slipper von Fiorucci und nicht die Werke der Klassiker! Was bleibt mir noch als der Abtritt?
Skylla: Ja, ein Abtritt wäre nicht schlecht! Jetzt muß ich groß. Aber vorher komme ich noch mal groß raus mit etwas, was ihr euch hinter eure verderbten Ohren schreiben sollt! Denn nicht bevor sich die Sichel des Trabanten hinieden in tausend Kraterseen spiegelt, nicht bevor Vor- und Nachbild, Mond und Welt ununterscheidbar geworden sind und Quarzkristalle über den Abgrund einander zublinzeln im Sternenlicht, nicht bevor die letzte Oase und die allerletzte Krampfader verödet ist, der letzte Säufzer verklungen, der letzte Keim verdorrt ist, wird wieder Eden sein auf Erden. Ja, so ist es! Und das kann natürlich noch eine Weile dauern bis zum Garten Eden. Und für die Zwischenzeit zum Überbrücken: Fallt nicht auf Fälschungen rein, entscheidet euch für das echte, für die Echten: für die Echten Werther, nur Original mit dem gelben Aufreißpunkt!
Um Abschottung, Hinterzimmerabsprachen und starre Seilschaften strukturell zu erschweren und die Kreativität und das Wissen vieler einzubinden, habe ich immer auf größtmögliche Offenheit und Öffnung bei allen GG-Planungen geachtet.
Jeder sollte die Entwicklung einzelner Projekte nachvollziehen können, um durch diese niedrigschwelligen Beispiele Ermutigung für eigenes Handeln zu bekommen.
Ein wohl gescheiterter Versuch angesichts der unfassbaren Weisheit der Evolution, die archaische Gruppendynamiken genetisch verankerte und andere Eigenarten wie die der Eitelkeit, des Herrschen & Besitzen wollens, besonders gestärkt hat..
Die Abgrenzungsbegründungen unter sich bleiben wollender user und Verwalter waren bunt, vielfältig, meistens vor allem aber burlesk.
Das Geheimtreffen eines ausgesuchten Teils des GG-Buch-Redaktionsteams unter gezieltem Ausschluss der restlichen Redaktionsmitglieder und gegen die verwaltungsinterne Absprache wurde von dem betreffenden Verwaltungsmitglied mit …..” ööhh …. wir trafen uns zufällig alle im Café und haben auch nix besprochen” erklärt.
Die Begründung, warum für eine öffentliche VHS-Veranstaltung der GG nicht geworben werden durfte: dann kämen immer die selben Leute.
Statt Potenziale zu bündeln, hieß es plötzlich: “wir lassen uns doch nicht in die Karten gucken”!
Das Politikum der gemeinsamen Entscheidungsfindung wurde abgelöst durch Überraschungsmomente, man inszenierte lieber zeitgeistnah ein “Event” für das “Publikum” (womit die anderen Aktiven gemeint sind), statt das “Publikum” mit- und nachdenken zu lassen.
Was Anfangs gemeinsame Bestandsaufnahme, Selbstreflexion und Selbstvergewisserung, Erfahrungsaustausch war, wurde in einem schleichenden Prozess durch Verwaltungsmitglieder umgedeutet in so genannte “Bevormundung”, “Kontrollversuch”, “Misstrauen” etc.
Gezickter Gedanken Tausch
Nicht der Diskurs, das Gespräch, der Ausstausch, bestimmten irgendwann das Verwaltungsklima, sondern neben vielen Worthülsen für ein Kommunikationsprojekt erstaunlicherweise vor allem das kollektive Schweigen zu bestimmten Themen, das nicht zur Kenntnis nehmen, das Ignorieren.
Sprachlosigkeit wurde das akzeptierte Mittel der Wahl.
Hieß es erst: “schreiben führt zu immer mehr Missverständnissen, also lasst uns gemeinsam reden”, folgte ein “7 Menschen können nicht gemeinsam reden und Probleme lösen, also lasst uns 4 Augen Gespräche führen”, – aber keinesfalls mit Heinz!
Als Avantgarde der neuen Stille und Botschafter des kindlichen Glaubens, dass nicht da ist, was ich nicht sehe, steckten meine sechs Ex-Verwaltungskollgen dann auch konsequent öffentlich den Kopf in den Sand und hielten sich die Hand vor ihre Augen. Verdrängungskunst im www, eine neue Kulturtechnik.
Wir sind beleidigt und sagen deshalb der Öffentlichkeit nix über den Rückzug des Initiators des Projektes, zeigen ihm die kalte Schulter, kündigen ihm die Freundschaft, reden auch privat nicht mehr mit ihm.
Strafe muss sein, sagten sich die Verwalter…… wenn uns schon jemand so deutlich zeigt, dass er unseren Weg in die “Realität” der Dutzendwaren-organisations-zwangs-strukturen nicht folgen will.
Getreu dieser Logik vermieden die Verwalter dann auch, sich ernsthaft an einem Gedankenausstausch einer Arbeitsgruppe über die Zukunft der GG zu beteiligen. Schließlich will mobben konsequent angewandt sein, auch wenn man sich dadurch das Wasser selber abgräbt.
Während die einen user Eifersucht und einen Beziehungskonflikt vermuteten (nein, ich hatte zu keinem Zeitpunkt jemals eine sexuelle Beziehung zu irgendeinem anderen Verwaltungsmitglied) wollten andere gar nicht erst wissen, warum ich mich von der aktiven Arbeit zurückzog bzw. wussten es ja schon immer bzw. atmeten auf, dass der Totengräber der GG endlich die Klappe hielt.
Hauptsache es geht weiter – egal wie. Nachdenken bringt nur Ärger und das verbietet ja die Netiquette.
Oral History oder doch nur Kleinsparverein?
Alt-bekannte Namen neben der Verwaltung. 3 Pärchen. Den Erfahrungsschatz eines Dthamm, Alter Mann, Detlef Aghte, transform, gutenberg usw. usw. zieht man gar nicht erst in die Überlegungen und Vorbereitungen mit ein, man bleibt halt gerne kuschelnd unter sich.
Wo ist Heinz, (link nur für Mitglieder der GG aufrufbar) so fragten sich Ende Januar 2010 einige user der GG , nachdem ich seit dem 28.12.09 keine Beiträge mehr im öffentlichen Bereich schrieb.
Nach dreieinhalb Jahren fast ununterbrochenem kümmern, rund 15 000 geschriebenen Beiträgen, knapp 200 000 von mir gelesenen Postings, zahllosen von mir beantworteten e-mails, PNs, Briefen, vielen oft stundenlang geführten Telefonaten, persönlichen Gesprächen, Versammlungen, Sitzungen, Motivationsarbeit, habe ich die fremdbestimmte Rolle als “Verwaltungs-Heinz” abgestreift und Urlaub von dem Experiment Gelsenkirchener Geschichten genommen.
Die drei Jahre trugen mir knapp ein Dutzend Klageandrohungen ein, einen über zwei Instanzen geführten und gewonnenen Gerichtsprozess, 3 oder 4 Hausverbote in Gelsenkirchener Galerien, öffentliche Beschimpfungen, Verleumdungen, Ehren- und Ruf schädigende Einträge im Internet, telefonische Gewaltandrohungen, subtil formulierte schriftliche Gewaltankündigungen.
Es wurden Mahn- und Warnbriefe an den Oberbürgermeister, die Stadtverwaltung, die Ratsfraktionen etc. geschickt, in denen ich als Gefahr für die Demokratie gegeißelt wurde und aufgefordert wurde mir bzw. den GG keine Darstellungsmöglichkeiten in städtischen Räumen zu geben.
Es wurden Brandbriefe an die Geschäftsleitung der WAZ geschrieben, um über das Mittel des Copyright die aufkeimende öffentliche Debatte zu kommunalen Themen auf den GG zu verhindern.
Den einen war ich dummer “Gutmensch”, linksradikal, den anderen ausländerfeindlich, rechtsradikal. Den einen pöbelnder Proll, den anderen intellektueller Eierkopf.
Mal ließ ich mich angeblich von Ex-Neonazis am Nasenring durch die öffentliche Arena schleifen, mal spannte ich mich angeblich vor den Karren von Kinderschändern.
Ich war Projektionsfläche für narzisstisch Persönlichkeitsgestörte.
Ich war noch Nachts um 24 Uhr Telefonseelsorge für sich durch Beiträge gekränkt fühlende.
Ich musste obstruktives Verhalten ertragen und für die Defizite und Handlungen anderer verantwortlich gemacht zu werden. Ich musste den aktiven und passiven Widerstandshandlungen sich missverstanden oder beleidigt fühlender gewachsen sein und so manches Mal gute Miene zum bösen Spiel machen.
Ich musste Illoyalitäten aushalten, mit den double-bind Verhalten der aktiven user umgehen und akzeptieren, dass ich Funktionsträger zu sein habe, hinter dem der Mensch zu verschwinden hat.
In den drei Jahren habe ich aus der Nähe und aus etwas Abstand 4 Suizidversuche bzw. Ankündigungen dazu für mich verarbeiten müssen, habe hilflos dem Zusammenbruch einer Familie zusehen müssen.
Ich habe versucht, verantwortungsvoll und behutsam die zu begleiten, die erkennbar temporäre seelische Konflikte hatten. Anderen versuchte ich konkrete Lebenshilfen zu geben.
Ich habe die GG nie als Plattform für Egomanen und zwanghafte Selbstdarsteller gesehen, sondern als Angebot in die Lebensbedingungen einzugreifen, tätig zu werden, Erkenntnisse zu gewinnen, die Lebensumstände aber auch sich selbst zu hinterfragen, zu ändern, neue Kommunikationsformen zu entwickeln.
Ich habe mein Privatleben in diesen drei Jahren vernachlässigt, ich habe meine Interessen, Neigungen, meine persönliche Entwicklung zurückgestellt zu Gunsten der GG und ………
Nehmt die Wäsche von der Leine, der Zirkus kommt…..
Ein Film über die Aktion gegen Krieg aus dem Jahre 1983.
Die Nachrüstungsdebatte läuft, Thema ist das Gleichgewicht des Schreckens, Wettrüsten, SS 20 und Pershing Raketen, Nato Doppelbeschluss.
Das Kreiswehrersatzamt in Gelsenkirchen wird blockiert, später das Verteidigungsministerium auf der Bonner Hardhöhe.
Szenen:
Strassentheater mit Zirkus Zündschnüre auf der Bahnhofstrasse – Aufstand der Clows
Strassentheater mit Zirkus Zuendschnur auf der Bahnhofstrasse – Auftritt der Direktoren BigMäc und Bortsch
Erweckung der Michel, Impressionen vom Zeltcamp vor dem Kreiswehrersatzamt
organisatorisches im Camp, Beflaggung des Kreiswehrersatzamtes, Blockade des Amtes, Interwiev mit Wehrpflichtigen die zur Musterung wollen.
Musterung Wehrpflichtiger, Interwiev mit Chef des KWEAmtes, Polizeifunk im Mikrofon, Reflexionen der Akteure
Pestzug durch Gelsenkirchen, Refexionen über die Arbeit der AgK
Reflexionen über Eigenverantwortung, Selbstanzeigen, zivilen Ungehorsam, Impressionen der Blockade der Raketenstation Jammertal, Selbstanzeige von Blockierern
Selbstanzeige der Blockierer, Blockade der Polizeistation, Hardhöhe Bonn
Sitzblockade, Polizei trägt Blockierer weg, Interwiev mit Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums
Ein Interview mit Roland K., der in Gelsenkirchen die Obdachlosenzeitung “Fifty-Fifty” verkauft(e):
H : Wie ist Ihr Arbeitstag, wie sieht das aus, wann stehn Sie auf, wie lange arbeiten Sie ?
R : Ich steh morgens 7 Uhr auf und steh bis 18 Uhr.
H. Bis 18 Uhr ?
R : Ja.
H : Stehn Sie ununterbrochen oder machen Sie Pause zwischendurch ?
R : Ja, zwischendurch mal eine rauchen, aber sonst, ja, ununterbrochen.
H : Können Sie vielleicht irgendwas erzählen, was Ihnen da so passiert und begegnet, wenn Sie so da stehn ?
Sind das immer angenehme Begegnungen … oder ?
R : Nein ..
H : Gibts auch unangenehmes ?
R : Ja … da kommt mancher an .. eh, du Obdachlosen, du Penner. Da sach ich, pass mal auf, bei Wind und Wetter steh ich hier und verkauf die Obdachlosenzeitung. Ich sach, stell du dich hier mal hin … ich wurd auch schon zwei mal umgeschlagen …
H : Ja ?
R : Ja.
H : Das ist ja auch körperlich sehr anstrengend.
R : Ja sicher und bei Wind und Wetter und ob das regnet, da können Sie nebenan die Geschäftsleute alle fragen, ich steh jeden Tach da, von morgens bis abends.
H : Und wie gehn die Geschäftsleute damit um ?
R : Gut, ich komm mit den Leuten sehr gut aus. Hier am Neumarkt, wenn der Postbote kommt, halt ich die Tür auf, wenn Leute hier zum Arzt gehn, halt ich die Tür auf.
H : Ja, Sie sind bekannt als sehr freundlicher Straßenzeitungsverkäufer.
R : Ja – nickt still -
H : Wo bekommen Sie diese Zeitungen her ?
R : Die hol ich in Essen-Steele.
H : Müssen Sie zu Fuß dahin ?
R : Nein, ich fahr mit´m Bus.
H : Ah ja.
R : Zu Fuß – schüttelt den Kopf – iss zu weit.
H : Ah ja, und wo wohnen Sie ?
R : Ich wohn jetzt im Moment beim Kollegen, Margaretenstr. 1, ja.
H : Aber sonst haben Sie wechselnde Wohnungen, oder wohnen Sie auch schon mal im Caub-Bunker , oder ?
R : Nein, ich hab damals, wo ich auffe Straße war, da hat man mir gesacht, ich soll in Caub-Bunker gehn, erstmal kostet das 3 Euro pro Nacht, nur für Schlafen, und da sind Leute drin, mit denen möcht ich echt nichts zu tun haben. Verstehn Sie, was ich meine ?
H : Gibts da Diebstahl, Schlägereien ?
R : Ja, nee, das hab ich nicht … ich war 28 – nee – 24 Jahre verheiratet, und dann auf einmal kam die Trennung. Dann hatt ich mal´n Rechtsanwalt, da war ich vor Gericht …. von meiner Frau wurd mir versprochen, das und das, ich wollte ja nur haben, was mir zusteht. Die Hälfte vonne Wohnung, da hab ich zu meinem Anwalt gesacht, gut, dann zieh ich am 28. Februar, vor 3 Jahren, freiwillig ausse Wohnung aus. Dann bin ausgezogen, ja, dann kam ich nachher, wollt ich meine Sachen holen – stockt – Null, alles wech.
H : Mh.
R : Da hab ich gar nichts mehr gekricht. Ich hab 2 Jungs – weint – der eine ist 25, der andre 28 Jahre.
H : Kein Kontakt ?
R : Nein …
H : Überhaupt nicht ?
R : Nein, obwohl ich auffe Straße war. Bin nachts hingegangen, hab geschellt, die haben noch nich mal die Tür aufgemacht — weint — Entschuldigung.
H : Ja, geht klar.
R : Ich hab damals immer gearbeitet und alles getan, für meine Kinder, die Wohnung eingerichtet, ich hab ihr Sachen gekauft, Anziehsachen, ich hab ihr alles gegeben. Und jetzt steh ich ganz alleine da.
H : Mh.
R : — weint — Entschuldigung.
H : Nee, das ist doch völlig in Ordnung. Was haben Sie denn früher gemacht, beruflich gemacht ?
R : Ich hab gelernt Dreher und zum Schluss war ich bei Grillo Funke und ganz zum Schluss bei Regips. Und da wurd dann reduziert, und ich war mit einer von den letzten, die da angefangen haben, und da musste ich dann gehn. Ich hab Samstach, Sonntach, ich hab gearbeitet, ich hab alles getan, ich hab nebenbei tapziert, ich hab Möbel geschleppt, ich hab alles gemacht, das ganze Geld, alles, was ich verdient hab, hab ich meiner Frau gegeben. Auch mit dem Konto, ich hab gar keine Karte gehabt, die konnte über alles verfügen. Ja, und dann auf einmal kam das von heut auf morgen – ich reich die Scheidung ein – . Ja.
H : Wie alt sind Sie jetzt ?
R : 57
H : Mh. Dann kriegen Sie auch kein Hartz 4, nichts ?
R : Im Moment krich ich Hartz 4. – Nickt -
H : Hartz 4, wie hoch ist das bei Ihnen ?
R : 311 Euro.
H : Das reicht nicht …
R : Nein, ich muss … passen Sie mal auf .. erstmal muss ich jeden Tach auch essen … das … und ich rauch. Ich rauch schon jetzt hier die 1,50 Zigaretten, weil ich mir die teuren gar nicht mehr erlauben kann. Früher sind wir in Urlaub gefahrn, ich hab alles gemacht. Ich hab alles für meine Familie getan – spricht lauter – ALLES. Von klein auf, die haben alles gekricht. Egal, ob das Gameboy war oder Computer, die haben alles gekricht. Weihnachten war ich ganz alleine. Silvester, ganz alleine. Ja – –schüttelt den Kopf.—
H : Wie ist das denn mit der ärztlichen Versorgung, wenn Sie da stehn, hier hält doch auch immer so ein Arztwagen. Benutzen Sie diesen Service ?
R : Nee.
H : Gar nicht ?
R : Hier ? Hier hält doch gar kein Arztwagen.
H : Ich dachte, hier würde auf dem Platz auch am Freitag …
R : Nein, hab ich noch nie gesehn. Am Aloysianum. Wann war das, vor 2 Monaten, ich steh da mit meiner Zeitung, hab mich unten auffe Bank gesetzt, hab mir eine geraucht und wollt wieder hochgehn. Feierabend, fall um, wech vom Fenster. Tja, kam der Krankenwagen, da wurd ich eingeliefert im Evangelischen Krankenhaus, alle Untersuchungen gemacht, alles in Ordnung. Gut, ich komm wieder raus. Geh 2 Wochen später – fall ich hier vor´m Weinkontor um. Alle Untersuchungen gemacht, ob inne Röhre, ob das und das, nichts, konnten nichts feststellen.
H : Und was war´s dann, oder …
R : Ja, ich weiß bis heute noch nich. Ich stand da, bin einfach umgekippt, wech. Für 5 Minuten, ich war einfach wech.
H : Aber es wurde Ihnen geholfen ?
R : Ja, es wurde mir geholfen. Das tat echt gut. Ja, ich hab jetzt auch mit der Bearbeiterin vom Arbeitsamt gesprochen, jetzt war ich auch hier in der Caritas, jetzt wollt ich mal gucken, ob ich hier irgendwo in so ein Wohnheim oder was reinkomm.
H : Ja ?
R : Ja, weil ich ja immer alleine bin. Ich hab in Nienhausen auffe Bank geschlafen bei Wind und Wetter. Ich krich ja morgens meine Finger nich grade, in Schalke lag ich anne Sparkasse auffe Bank, hab ich geschlafen.
H : Und wie gehn die Leute damit um, gibts da Ärger, wenn Sie irgendwo draußen schlafen ?
R : Nein, erstmal in Nienhausen, inne Grillhütte, da hat mich ja keiner gesehn, und ich hab ja auch kein Theater gemacht. Genau wie hier mit den Leuten, wo ich die Zeitungen verkauf, mit denen komm ich gut aus. Auch nebenan, inne Bäckerei oder im Weinkontor, ich kenn die Leute alle gut. Auch zu den alten Leuten, ich bin immer nett und freundlich und fertich iss. Ich komm mit denen echt gut aus. Nur eben, ich bin ganz alleine.
H : Mh, und so Angebote der AWO oder hier im Alten Aloysianum, nehmen Sie die an, dass man sich da mal treffen kann, gibts sowas überhaupt ?
R : – Nickt – Das gibt es. Und das würd ich auch annehmen. Ja.
H : Aber im Moment nicht ?
R : Im Moment hab ich keine Angebote. Ich hab jetzt im Moment das vonne Caritas am laufen, und das kann noch was dauern, und wenn das klappen sollte, dann nimm ich das auch an. Damit ich auch mal wieder unter Leute komm und so.
H : Sind Sie in Gelsenkirchen geboren ?
R : Nein, ich bin in Schmalensee geboren.
H : Wo ist das ?
R : Schmalensee.
H : Ja, wo ist das ?
R : Holstein.
H : Ah ja, und wie lange leben Sie in Gelsenkirchen ?
R : Seit meinem 5. Lebensjahr
H : Ach ja, dann sind Sie ja ..
R : Ja, ich bin groß geworden in Gelsenkirchen.
H : Hat sich Ihrer Meinung nach hier irgendwas verändert im Laufe Ihres Lebens in der Stadt, also von den Leuten, sind die anders geworden, freundlicher oder unfreundlicher ?
R : Hier an den Leuten, in der Stadt ? Ich will ja nichts schlechtes sagen, erstmal die ganze Bannoffstraße, früher hatten wir WEKA, wir hatten Kaufhalle, wir hatten das, das, das, was haben wir heute, nur ein Billig-Laden nach dem anderen. Und nich, dass ich jetzt irgendwas verkehrtes sach, ich steh von morgens bis abends hier, und jeder 2. oder 3., der vorbeigeht … die ganze Bannoffstraße. Wir hatten früher hier 8 Kinos in Gelsenkirchen, was haben wir denn heute noch hier ? Bannoffstraße iss auf deutsch gesacht tote Hose. Da kann ich auch auffen Friedhof gehn, auf deutsch gesacht, da iss mehr los als hier auffe Bannoffstraße. Ein Laden, ein Geschäft nach dem anderen macht doch zu. Was haben wir denn noch hier, Kaufhof und C + A, nur noch ein Billigladen nach dem anderen. Jaja. Das sind Tatsachen, aber nich, dass ich das böse mein.
H : Nein nein, das ist ja so.
R : Ja, aber so isses. Auch wenn du so siehst, wenn ich da steh, die Jungen, die da vorbeikommen – ob das Deutsche sind oder Dings, da wird man von denen noch angemacht.
H : Passiert das ?
R : Ja, sicher.
H : Was sagen die ?
R : Penner – ich sach, pass mal auf – aber man darf ja nix machen, und ich würd auch nix machen.
H : Aber die Stimmung ist rauher geworden ?
R : Echt rauher geworden.
H : Ja, aber bei allen Jugendlichen. Oder sind es auch ältere Leute, die so was sagen ?
R : Ältere Leute weniger. Ich komm mit den älteren Leuten gut aus.
H. Mh, so perspektivisch, sowas, wovon Sie träumen, wäre also so was ähnliches wie eine Familie, also irgendwo wieder mit Menschen zusammen leben können, dass man nicht so alleine ist ?
R : Ja. Ja. – Nickt -
H : Und was stellen Sie sich eventuell so darunter vor ? Irgendeine Wohngemeinschaft oder irgendsowas ?
R : Das wär mir egal. Nur, das einzichste, was ich mir wünsch … Stimme versagt … wieder mit meiner Familie ….Entschuldigung…
H : Nee, das ist völlig in Ordnung.
R : Oder so wieder, irgendwo wieder in so´ner Gemeinschaft, wo man sich abends unterhalten kann , sprechen kann, ich hab doch keinen.
H : Und gibt es denn da nicht Angebote von kirchlichen Trägern oder Stadt ?
R : Bis jetzt hab ich noch keine gekricht.
H : Ja, müsste man sich vielleicht mal erkundigen.
R : - Nickt, weint -
H : Wie sieht denn sonst das Leben aus ? Haben Sie unter den anderen Obdachlosen, haben Sie Kontakt mit denen oder halten Sie sich von denen fern ?
R : Ich hab hier mit vielen Leuten Kontakt. Da komm ich echt gut mit aus. Aber ich halt mich echt fern davon.
H : Also doch ein bisschen Distanz ?
R : Ja, genau, wie Sie gesacht haben mit dem Caub-Bunker, dass iss nich mein Bier, genau so gut gesacht, hier, du kannst hier beim Löffel essen gehn – ich möcht das nich.
H : Was ist der Löffel ?
R : Iss hier direkt, da kann man morgens für 50 Cent Kaffee trinken gehn, auch mittags essen.
H : Da im Aloysianum ?
R : Ja.
H : Ah ja, und gehn Sie auch zur Tafel essen ?
R : Nein, ich hab auch damals, bevor ich die Fifty-Fifty gekricht hab – zeigt auf seine Zeitungen – hab ich vonne Tafel die Uhu verkauft. Da gab es ja auch die Zeitung. Nur die gibt es im Moment nich mehr. Da hab ich die Uhu verkauft, da stand ich öfter drin inne Tafel, hab mal ne Zeitung geholt, jeden 2. Tach, aber möcht ich nich.
H : Nein, warum nicht ?
R : Ich weiß es nich. Soviele haben gesacht, komm, kannst da essen. Aber ich möchte das nich.
H : Mh, die Fifty ist eine Essener Zeitung, und die Uhu war eine Gelsenkirchener ?
R : War eine Gelsenkirchener Zeitung. Hier vonne Tafel.
H : Und die wurde zugemacht, eingestellt ?
R : Ja, eingestellt. Ja, weil kein … lief nich so gut, und die Fifty iss eigentlich die größte, die es überhaupt gibt.
H : Was heißt, lief nicht so gut, die Nachfrage war nicht so gut, oder gab es keine Redakteure, die Artikel geschrieben haben?
R : Ja, es gab Redakteure, nur, es gab zu wenig Verkäufer.
H : Ach so, jetzt versteh ich.
R : Ich glaub, ich war der einzichste, der hier in Gelsenkirchen stand, und dann stand noch einer in Herten, die die Zeitung verkauft haben.
H : Es stimmt, es scheint hier wenig Straßenverkäufer zu geben. In anderen Städten sind mehr unterwegs. Woran liegt das denn ?
R : Ja, wenn man so sieht in Essen, jede 5 oder 10 Meter steht einer.
H : Woran liegt das ?
R : Ich weiß das nich. Das iss ja auch genau so, ich hier mit meine Fifty-Fifty,ich darf mich noch nichmals vor die Sparkasse stellen.
H : Ach, haben Sie ein Verbot ?
R : Es ist ein Verbot. Ich darf nich im Bannoffs-Center, das steht in meinem Ausweis drin, im Bannoffs-Center, wenn es am regnen war, so windig war, dacht ich, geh im Bannoffs-Center, überdacht, darf ich nich, iss verboten.
H : Verkaufen – aber stehen darf man doch.
R : Nur stehn, nur, ich darf die Zeitung nich verkaufen.
H : Vor´m Bahnhofscenter ? Also vor dem Bahnhof ?
R : Nein, im Bannoff. Iss verboten und vor der Sparkasse iss auch verboten, darf ich nich.
H : Wer sagt das ?
R : Das iss vom Verlag und steht im Ausweis drin.
H : Ach so, das steht in den Bedingungen drin.
R : Nee, da darf ich nich. Und ich hab auch gedacht, was iss dabei. Ich steh vor der Sparkasse : Die Obdachlosenzeitung ! Ich tu doch keinem was. Oder geh durch das Bannoffs-Center : Die Obdachlosenzeitung mitnehmen ! Ich tu doch keinem was, aber iss verboten. Nur… im Bannoffs-Center … ich hab nix gegen die Leute, die da sitzen, auf deutsch gesacht und Bettler, die dürfen das, und wir dürfen das nich. Und ich mach doch was.
H : Ja, Sie arbeiten. Kennen Sie die Bettler, die hier auf der Bahnhofstraße sitzen ?
R : Ich kenne 2 Stück, aber die Namen weiß ich nich. Iss einmal der Kalle und der Udo, aber wo die wohnen, weiß ich nich. Der eine wohnt im Caub-Bunker, den Nachnamen weiß ich nich. Und die anderen, die kommen – meistens immer am Letzten oder am Ersten. Das sind Rumänen, die werden abgesetzt.
H : Ah ja.
R : Das sind 7, 8 Leute, auch Frauen bei, manchmal auch ganz junge Mädchen, und die sitzen da, aber die kenn ich nich.
H : Da gibts auch keine Konflikte mit ?
R : Nein, überhaupt nich. Ich halt mich da von denen fern und fertich. Ich steh da und verkauf meine Zeitung so gut, wie ich es machen kann und fertich. Mehr iss nich.
H : Und der Kollege, der bettelt, warum will der keine Zeitung verkaufen ?
R : Ich hab ihn mal angehaun, er sacht, er hat keine Interesse. Ich hab den andern Kollegen auch mal angesprochen, ich hab gesacht, hör mal, versuch es doch mal – nein, er hat kein Interesse. Na gut, sach ich, dann ist das deine Sache und fertich.
H : Ja, ist doch in Ordnung.
R : Ja, dann geht er lieber betteln.
H : Ist auch anstrengend.
R : Ja, sicher iss das anstrengend, überhaupt, auch wenn ich seh, so die Rumänen, die müssen auffe Knie, von morgens bis abends knien die da, bei Wind und Wetter. Und dann im Freien, die Leute tun einem richtich leid.
H : Gut. Wenn Sie sich was wünschen könnten, um nochmal auf die Frage zurückzukommen, wenn Sie 3 Wünsche frei hätten, was würden Sie dann machen ?
R : Meine Frau und meine Kinder … wär der erste Wunsch. Der Zweite, wieder unter Kollegen sein, ja und der Dritte, dass ich gesund bleib.
H : Gehen Sie heute essen irgendwo ?
R : Nein, – wird ganz leise – , höchstwahrscheinlich beim Kollegen.
H : Wie ernähren Sie sich denn, also, wenn Sie den ganzen Tag da stehen, essen Sie zwischendurch nichts ?
R : Ab und zu geh ich mal inne Bäckerei, hol mir ein Brötchen… und .. ich kann ja nich, manchmal steh ich, verkauf ich 3 Zeitungen..
H : Das ist nicht viel.
R : – Schüttelt den Kopf -
H : Da kommt nicht viel bei rum.
R : Ja, und da kann ich nich von essen.
H : Gut, jetzt wirds hier langsam laut, vielleicht trinken wir einen Schluck, und ich danke Ihnen dann für das Gespräch.
R : Bitt schön.
H : Danke schön.
R : Hauptsache, war ne nette Unterhaltung.
H : Ja, natürlich.
R : Das sind nur Tatsachen. Mehr kann ich dazu nich sagen …..
Unter dem Motto 10 Monate, 10 Künstler, 10 Bilder im Jahre 2010 wurden über der Hauptstraße zehn Kunstwerke aufgespannt, die auf zehn Meter lange und ein Meter hohe Banner gedruckt wurden.
Das Thema lautet “Ich und Ihr” und soll die Beziehung der Künstler zur Stadt und zu den Bürgern behandeln.
Ich versuchte eine Mischung hier geborener, zugezogener, weggezogener, bekannter, unbekannter, junger, alter, männlicher, weiblicher, GE-Liebhaber, an GE Leidender zusammenzustellen und die kulturelle Vielfalt der hier lebenden Menschen durch die beteiligten Künstler zu spiegeln.
Zwei meiner Wunschkandidaten wegen ihres künstlerischen Potenzials und ihres spanischen bzw. polnischen kulturellen Hintergrundes, nämlich Luis Saez und Felix Zdzuich, konnten sich wegen unterschiedlicher Zeitvorstellungen zu meinem größten Bedauern nicht an dem Projekt beteiligen.
Das Agenda 21 Büro unterstützte die Idee von “Abgehängt” und erweiterte das Konzept durch den Vorschlag an mehreren Terminen Begegnungen von Schulklassen mit den Künstlern zu ermöglichen und Führungen auf der Hauptstraße zu machen.
Zum Jahresende ist ein Kalender mit den Bildern der Urbanausen geplant, die fehlenden 2 Monate gestalten Luis Saez und Jo Schniderjan, dessen Bild hier zu sehen ist:
Jo Schniderjan Titel: Gelsenbahn
Kery Felske und Peter Rose begleiten und betreuen das Projekt als Vermittler zwischen der Öffentlichkeit und den Künstlern.
Es ist eine Versteigerung der Originale und der Banner geplant, der Erlös geht an die Künstler.
Finanziert wurde diese Aktion zum Kulturhauptstadtjahr durch Privatspenden, durch Spenden der Werbegemeinschaft Hauptstraße, durch Sachspenden der Firma Colorpartner und durch “Man-Power” der freiwilligen Feuerwehr und der Berufsfeuerwehr Gelsenkirchens, welche die Banner aufhängten.
Von 2001 bis 2002 beschäftigte ich mich mit einem in Teilen ähnlichen Kunst- Kommunikationsprojekt wie den Gelsenkirchener Geschichten, unter “All along the watchtower” ist die künstlerische Nachbearbeitung zu sehen. Bitte auf die Figuren klicken.
Gestern blätterte ich da mal durch und war irritiert über die fast identischen Muster bzw. Probleme / Konflikte und die dünn-dürftigen Lösungsmöglichkeiten.
Nach 10 Jahren Kommunikationsübungen im Internet haben sich offensichtlich nur die technischen Bedingungen verbessert, die speziellen Verständigungsprobleme sind geblieben.
Ach so, Stein des Anstoßes damals war Kot als Kunst, bzw. die Abbildung eines Kothaufens in einem Kunstforum.
Der von mir gestraffte und geringfügig künstlerisch bearbeitete Ausschnitt der Diskussion könnte fast 1 zu 1 auf die zur Zeit laufende Findungs- und Selbstvergewisserungs- und Orientierungsphase bei den GG übertragen werden.
Ich zitiere zum Vergnügen mal:
Herbert:
Offenbar gibt es zwischen Kuenstlern und Handwerkern einen weiteren Unterschied als den, dass erstere eine Aussage mit ihren Werken verbinden und nicht nur zuckerwattesuesse schoene Lieblichkeit zeigen, sondern, dass sie auch liberal und offen sind im Gegensatz zu den povinziellen Intoleranzen der HANDWERKER. Mit Kuenstler meine ich damit gar nicht in erster Linie mich, sondern andere Teilnehmer die sich in diesem Forum aeusserten und deren Werke durchaus respektabel sind. Quod erat demonstrandum.
Ewald:
Ich liebe euch alle
Purple:
Ich finde, Herbert muß wieder rausfliegen. Mensch, ich war gerade beim Essen!
Bärbel:
Also mal ehrlich, ich finde irgendwo hört´s auf. Raus damit, aber schnell! Bärbel
Ewald:
Ich will hier nur in Ruhe mein Pilskken genießen.
Petra:
Sowas als “Kunst” schön zu reden, ist absolut niveaulos! Petra
Purple:
Genau, diese Bilder auf der Startseite? Ich würde sofort wieder rausgehen als Besucher!
J.R. Pasi:
Meiner Meinung nach wird viel zuviel Wind um die sogen. Kunstwerke von Herbert gemacht. Nichtbeachtung ist das beste Gegenmittel für solch eine Provokation! Gruß, J.R. Pasi
Bubbles:
man ist das ekelig!! Ich frage mich auch was das mit Kunst zu tuen haben soll. Naja, aber ich schätze das Ziel Herberts ist erreicht. Oder?
Die Verwaltung:
Das Verhalten in diesem Forum regt uns schon länger auf. An statt über Kunst zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen, werden hier persönliche Streiterein ausgetragen
B.B. Silk:
…und ich wundere mich, daß die Foreneinträge immer kleiner werden… nörgeln hin – nörgeln her…ich bin hier um mir kunst anzusehen, meine kunst zu zeigen und ein paar tips und tricks zu bekommen, neue inspirationen zu entdecken, gedanken auszutauschen und nicht um zwischenmenschliche alberene sreiterein auszutragen…punkt!!!
Ewald:
Ich liebe euch alle
Herbert:
Auffällig an der Diskussion hier ist die Beschäftigung mit dem rein Formalen. Falsch verstandene Begrifflichkeit reduziert Kunst zu Dekorativem. Das Werk geht der Aussage verlustig, wird zur leeren Huelse, zur Phrase ohne Sinn. Fuer mich steht die Aussage im Mittelpunkt – nicht die Aesthetik, sondern das Politikum. Ich werde mich nicht von meinem Weg abbringen lassen, Meine Botschaft zu verbreiten, auch wenn einige Individuen nicht in der Lage sein sollten, diese zu verstehen und Metaphern zu erkennen. Intellektuelle Mittelmaessigkeit hat die Welt noch nie bewegt. Nicht erst seit Beuys ist das Material selbst Symbol. Das von mir verwandte Material ist seit Manzoni nicht mehr skandaltraechtig. Die Echauffiertheit drueber ist so typisch deutsch, wie das provinzielle Spiessertum. Ich lasse hier Picasso fuer mich sprechen: Kunst soll nicht in den Salons der Bourgeoisie verrotten, sie soll die Gegner und Feinde vernichten. KUNST IST WILLE.
Ewald:
Bei nen Bierchen ganz in Ruhe und Frieden schöne Kunst genießen
Marianne Canto:
Hallo, liebe Verwaltung, ich kann euren Ärger gut verstehen, da ich mich auf diesem Niveau auch nicht in die Postings eintragen möchte. Erstens müssen einige Personen hier mal lernen wie man sich menschlich unterhält und eventuell auch mal streitet—Dafür gibt es Kurse Dann gehören einige Sachen nun wirklich nicht in Postings sondern in den eigenen Mülleimer Manchen Menschen reicht es eben nicht sich persönlich mit jemanden zu streiten, da muß man ja konfrontieren. Da ist es im Internet doch so schön einfach, man schreibt seinen Mist auf den bildschirm, mal schauen was dann folgt. Eine gut geführte Diskussion ist immer gewinnbringend, aber eine schlechte kostet nur Nerven- die von denen die sie führen— und leider die von denen sie lesen, auch. Darum lese ich sie garnicht erst
Ewald:
Ein Bier und ein Bild, in blau bitte und nicht zu groß!
Purple:
…fordere ich hiermit Presto und Torwald auf, ihre Querelen gefälligst per mail zu erledigen. Verena möchte ich bitten, da zu bleiben. Es ist unglaublich peinlich, was hier abläuft. Ihr bringt das Projekt zum Scheitern. Es kotzt mich an, wie hier Auseinandersetzungen geführt werden. Es ist kein Wunder, daß viele Leute keine Lust haben, sich hier zu beteiligen. Ich möchte diese Seite wieder genießen können wie früher. Ich möchte NICHT, daß hier ein Künstler nach dem anderen geht, und zwar gerade die Leute, mit denen ich was anfangen konnte. Ansonsten wünsche ich mir sehr, daß Presto diese Seite verläßt. Presto, du hast sehr viel Unfrieden hier reingebracht mitsamt deinem Anhang George und Co. Sollte sich hier nicht ganz gravierend in nächster Zeit was ändern, bin ich die Nächste die geht. Bis auf weiteres werde ich nur noch beobachten, was sich hier tut, Beiträge könnt ihr im Moment nicht mehr von mir erwarten.Purple
Herbert:
Betaetigte man sich einmal ernsthaft kunsthistorisch, wuerde man erstens feststellen, das der Satz Beuys´ ´Jeder Mensch ein Kuenstler´ vermutlich das missverstandenste Zitat dieses Jahrhunderts ist. Es ging ihm eben nicht darum, dass jeder Hobbymaler ein Kuenstler sei. Aber das kann man in jedem halbwegs gescheiten Buch nachlesen, wenn man nur wollte. Zum anderen gibt es doch spaetestens seit dem Erscheinen der ´Young British Artists´, die weltweit gefeiert, diskutiert und verurteilt wurden, keine eigentlichen Tabus mehr in der Kunst. Woher kommt also dieser Unmut? Es ist der Einbruch des ´Anderen´ in die gemuetliche Idylle, das sichere warme Plaetzchen, das man sich eingerichtet hat. So deutsch – so medioker. Leider hat diese Dabatte nichts mit Kunst zu tun, sondern mit soziokulturellen Phaenomenen. Auch der Kunstmaler Adolf H. hatte eine gewisse malerische Fertigkeit. Aber sein aesthetisches Empfinden hat den Kunstbetrieb nicht unbedingt voran gebracht.
Purple:
Mir wäre es auch lieber, wenn hier einige Privatfehden per mail ausgetragen werden würden. Andererseits fehlt ja denen, die gern rumnerven, dann die Öffentlichkeit und die vielen vielen Reaktionen. Genau darauf sind sie scharf. Ein Forum wird ihnen damit nicht nur technisch geboten, sondern vor allen Dingen sozial.
Gundel Gaukel:
Ich kann Schnulle verstehen…..weil auch ich mir eine Auszeit genommen habe und bestimmt auch noch weiterhin in Anspruch nehmen werde. Mir macht das hier momentan keinen Spaß. Wenn man etwas postet, ist man natürlich gespannt, was dort zurück kommt. Es reicht mir momentan aber schon eine blöde Bemerkung dazwischen und ich habe gar keine Lust zu antworten und ich mach´ die Kiste wieder aus. Es nervt einfach nur noch……… Also fröhne ich lieber anderen Dingen und freue mich auf bessere Zeiten hier ciao Gundel
Ewald:
Ich liebe euch alle
schnipp ——————————————————————————– schnapp
Der Anlass ist austauschbar, die Mechanismen der Intoleranz, die Kommunikationsprobleme, die unterschiedlichen Auffassungen über “Privat” und “Konflikt” und “Heile Welt” sind ähnlich. Wen Kunst & Kot interessiert und wer nicht völlig humorlos ist, der schaut hier:
Immer mal wieder war ich ein Glücklicher, der zufällig Bilder geschenkt bekam, die ich sehr stark mit meiner Lebenssituation verband. Dies z.B. bekam ich vor einer längeren Reise geschenkt. Es ist von Karel Studnar, einem in Recklinhausen lebenden Künstler, die meisten kennen seinen Sohn Jakob – er ist WAZ Fotograf. Seit fast 30 Jahren begleitet es mich, ist wie ein Teil von mir.
oder
dies hier.. von Rüdiger (Rülle) Stein aus Wuppertal. Im Zusammenhang mit einer Kunstaktion. Er macht unglaubliche Aquarellbilder, hier auch ein “Solitär” , so wie Karels Bild.
Um 1980 herum bekam ich dieses Pastell von Peter Grochmann, (1956-2007) weil viele diese venezianischen Masken beunruhigend finden, hängt es immer mal wieder – nur ab und zu…
venezianische Masken
eine Spielerei von mir stelle ich auch mal hier rein: el Pulpo – den Kopffüßler ohne Mitte.
Klaus Peter Wolf, der bekannte und erfolgreiche aus Gelsenkirchen stammende Autor, hat seinen neuen Krimi Ostfriesensünde in Zusammenarbeit mit den usern der GG geschrieben.
Die Lesung findet am Donnerstag den 11. März 2010 um 19.30 Uhr in der Aula des Grillo Gymnasiums statt (Hauptstr. 60). Der in der WAZ angegebene Termin ist falsch.
Was mir gerade auffällt… ich bin Vorlage für eine Figur in dem neuen Roman – muss mir doch mal das Buch kaufen um zu sehen, wie ich auch / noch bin / sein kann / gesehen werde und was ich so anstelle(n) könnte.
Diese neuen sozialen Netzwerke sind für meine ungelenken Finger noch etwas mühselig zu knüpfen. Ich habe nun den ersten ernsthaften Versuch bei Facebook gestartet und “trainiere” mich durch die Einstellungen und Abfragen.
Welches Lieblingsbuch ich hätte.. spontan fielen mir Hauffs Märchen ein, hab ich doch als Kind gelesen, warum fallen mir nicht die “Kopf”-Bücher ein, die doch auch sicher mein Leben geprägt haben?
Vielleicht weil die Märchen sich in Kopf und Bauch festsetzen?
Lieblingsfilm – was zum Scheitan kann ich darauf antworten? Spontan passend zur aktuellen Lebenssituation der zwiespältige “Uhrwerk Orange”.
Nun denn, auf in die Datenkrakenarme von Facebook und & Co.
Mal schauen ob wir die Krake reiten können oder nur Big Brother aufgepäppelt wird.