Am 25.02.08 schrieb ich diese Glosse, um die abermals vergebliche Bemühung pointiert darzustellen, Felix für die Aktion “Kunst im Tauschring” als Einspeisenden zu gewinnen. Nach fast genau 2 Jahren geschah das Wunder und Felix gab mir so ganz nebenbei 2 Bilder, die ich demnächst vorstellen werde. Bisher sollen sie nicht in den Tauschring, vielleicht entwickelt sich da noch etwas, wenn es würdigende Kommentare zu den Bildern gibt?
Verleihnix – oder zu Besuch bei Picassokinski..
Hallo… sag mal, kannst du nicht eins deiner Bilder für die Aktion Kunstverleih zur Verfügung stellen?
Ich glaub nicht daran.
Hmm – ähh – woran glaubst du nicht?
Ich glaub nicht daran.Ich grübel darüber, woran Picassokinski nicht glaubt und lasse meinen Blick wohlgefällig durch sein 2 Zimmer Atelier schweifen.
Meine Augen ruhen hier auf abgeschnittenen Brüsten, da auf herausquellenden Därmen, dort auf sich erleichtenden Frauen und Pipi machenden Männern. Alles natürlich in Acryl.
Also, du bekommst das Bild garantiert unversehrt zurück.
Ich glaub nicht dran.Ich merke, dass ich Pikassokinski so nicht aus seiner Endlosglaubensschleife holen kann. Flache, picassokubistisch gemalte Gesichter beobachten mich von mindestens 30 Leinwänden. Kann man sich auf diese Art zu malen, den vielen verschiedenen schillernden Facetten einer Person nähern? Angedeutete Dreiminensionalität, die flach und hohl wirkt. Leer. Oberflächlich. Eindimensional.
Aber, ob das Bild nun hier rumgammelt, oder in einem Wohnzimmer real ausgestellt wird und die Menschen zum Sprechen über Kunst anregt…
ICH GLAUBE NICHT DARAN!
Schluck. Ich bewege mich nicht, um den Meister nicht zu reizen. Einer seiner gefürchteten Wutausbrüche findet gerade statt. Kinski legte die Latte hoch mit seinen Talkshow Wutausbrüchen. Der Meister hier nun in seinem Küchenatelier steht ihm in nichts nach. Mit rollenden Augen und Stotter-Stakatto verschluckt er mal das “Ich” mal speit er ein “Nicht” aus und zwischendurch röchelt ein “GLAUBE” durch seinen nun durch angeschwollene Zornesadern verengten Hals.
Aber du stellst doch auch dein Bild auf Ausstellungen aus.
Das mache ich nur, wenn ich dort in einen Katalog komme. Den brauche ich, um in die Künstler-Krankenkasse zu kommen. Die ist billiger als eine normale Krankenversicherung.
Puhh… damit sind wir aus der Endlosschleife raus.
Es spricht also nichts dagegen, ein Bild zu leihen.Ahhh, das ist nichts.
Wie bitte?
Das ist nichts.
Ich grübel, während mir scheint, dass der Geier auf dem Bild in der rechten Ecke an dem toten Hundekörper herumpickt und ihm das Wasser im Schnabel zusammenläuft, während er mich fixiert.
Immerhin ist der Meister nicht an seinem Wutausbruch erstickt.Also, sei doch mal Philantrop.
Das ist gar nichts.
Öhhmm… wie meinen?
Das ist gar nichts.
Aber du willst doch auch immer alles kostenlos haben. Mal willst du einen Internetauftritt umsonst, mal willst du eine Rezension, dann soll ich dir einen Museumsbesuch bezahlen oder dich hierhin und dorthin fahren.
Dass er auch immer in Pommesbuden gratis Nachschlag verlangt (und in der Regel auch bekommt) erwähne ich besser jetzt nicht.
Das ist nichts, die sind unwichtig.
Wer ist unwichtig?
Die Leute da, völlig unwichtig. Haben keine Ahnung.Langsam rutscht der kopfüber gereuzigte Jesus auf dem Bild gegenüber unter der rosa Farbe wieder hervor. Der Meister liebt es, seine gemalten Figuren mit lachsfarbenen Klecksen unsichtbar zu machen.
Ich bin schlecht.
Ich wage nicht zu widersprechen.
Ich male schlecht.
Ich wage nicht zu widersprechen.
Meine Bilder taugen nichts.
Ich wage nicht zu widersprechen.
Es sind alles nur Entwürfe, schlechte Entwürfe.
Jetzt wage ich doch etwas: Aber du stellst sie doch aus, sogar in dem Katalog für die Krankenkasse sind sie zu sehen.
Ahh, da habe ich mit der linken Hand gemalt, jetzt male ich aber mit rechts. Was willst du machen, man muss was tun. Was willst du machen, man muss was tun. Was willst du machen, man muss was tun. Was willst du machen, man muss was tun…
Plötzlich drehen sich herausgestochene Augen, abgeschlagene Köpfe, gefolterte Körper von mindestens 50 Leinwänden zu mir und lösen sich aus den Rahmungen. Blut spritzt durchs Kücheatelier, Literweise, eitrige Geschwüre brechen auf, Leichengeruch liegt in der Luft und der Meister beginnt aus dem Talmud zu zitieren, mixt das mit Nietsche Zitaten und schwenkt ein Bündel Geldscheine in seiner Faust.
Die Luft ist angefüllt mit Körperteilen und Ausscheidungen, als Picassokinski auch noch anhebt die Apocalypse zu rezitieren und dabei sein Glied in die Hand nimmt, verschwinde ich.
Ohne Bild.
Hier aber erst einmal noch 2 weitere Bilder von Felix, dessen Arbeiten ich sehr schätze:
Liebe
Felix Zdziuch stammt aus Polen (Schlesien). Schon in seiner Jugend beschäftigte er sich mit der Malerei. Nach dem Abitur studierte er an de Schlesischenr Universität und promovierte im Jahr 1989 zum Doktor der Philosophie. Kurz darauf kam er nach Gelsenkirchen und hat seitdem seine Malerei kontinuierlich weiterentwickelt.
KONTAKT
Felix Zdziuch
Tel: 0209 / 23590
Hoffnung
Jürgen Kramer über Felix:
Felix Zdziuch: Publikationen zu Fragen der Kultur, Ästhetik und der modernen Kunst. 1989 Promotion zum Doktor der Philosophie. Er lebt und arbeitet seit 1989 in Gelsenkirchen.
Felix Zdziuchs Malerei und Zeichnung ist expressiv. Der Komplementärkontrast reiner Farben beherrscht die Gemälde in Acryl oder Öl. Das Menschenbild in der Malerei des Künstlers ist kein gängiges, gewöhnliches und leicht hinzunehmendes. Es verunsichert. Die Gewalt der Farbgebung entspricht der Gewalt, der die Kreatur oft ausgesetzt ist. Oft gerät Felix Zdziuch der Mensch, Frau und Mann, zu einem dämonischen, sexuell umtriebenes, kaputtes Wesen („Holofernes – femme fatale“ 2005; „Die Zwei“, 2004).
Die vergeblichen Bemühungen des Menschen um eine positive humane Welt scheitern („Ikarus“ 2007; „Ende der Poesie“ 2006).
Der vom Menschen gestaltete Kosmos gerät aus den Fugen und die geschundene Kreatur klagt an.
Es ist eine Welt der ungelösten Widersprüche: Meditatives wechselt mit Provokativen, das Heilige ist dem Profanen entgegengesetzt, das Schöne steht neben dem Hässlichen.
Diese konträre Malerei der Gegensätze hinterlässt keine idyllischen Gefühle, kein harmonisches Lebensgefühl, sondern sie beunruhigt, stößt zuweilen ab und verursacht Magenkrämpfe
Felix Zdziuch ist ein kritischer Maler, der in der Kunst noch, wenn auch mit Zweifel beladen, ein Mittel der Kritik des Status quo erkennt. Dabei sind die ikonographischen Themen oft komplex angelegt und die Zeichen und Symbole verweigern sich eindeutiger Interpretation. Dazu schreibt Erich Franz:
„Bei Felix Zdziuch wirkt jede Form und jeder Gegenstand vollständig, wie ein einfaches, bilderbuchartiges Zeichen, das sofort identifizierbar ist. Gerade aus dieser Selbst-Verständlichkeit entsteht ihre irritierende Fragwürdigkeit: Die Identifizierungen, die man beim Sehen sofort vornimmt, erweisen sich als unhaltbar und fluktuieren als Bedeutungsfetzen durch den Vorstellungsraum des Betrachters.“ (Katalog Soest 2008)
Die jüngsten Stillleben des Künstlers sind ein besonderes Feld. Sie wirken, als ob der Künstler seinem gemalten und gezeichneten lädierten Menschenbild überdrüssig geworden ist. Das Metier der Menschendarstellung verlassend, kommt eine seltsame Natur in Form von Pflanzen, Blumen und Früchten ins Spiel. Auch dort ist zwar die Gegensätzlichkeit nicht ganz getilgt (z. B. die Kombination von Pflanze, Zitrone und Glühbirne). Aber es entsteht ein Zug von Versöhnung und Beruhigung durch diese Bilder, denen man eine künstlerische Gereiftheit anmerkt.
Jürgen Kramer



Verfasst von Enrique Abacho 